Atoms & Bits -- Session 'Neues Publizieren'
Gedanken und Diskussionspunkte zur Zukunft des digitalen Publizierens.
- Published
- Reading time
- 3 min read
Dieser Beitrag diente mir zur Vorbereitung auf meine Session beim Atoms & Bits Camp 2009. Er enthält meine damaligen Thesen, Fragen aus der Diskussion und die Quellen, mit denen ich mich vorbereitet hatte.
Mein Hintergrund
- Ich war Gründungsmitglied und Entwickler bei der PaperC GmbH.
- PaperC bot kostenlosen Zugriff auf Fachbücher und wollte hochwertige Inhalte möglichst leicht zugänglich machen.
- Leser konnten Bücher kostenlos lesen und für eine digitale Kopie mit Funktionen zum Zitieren, Drucken und Kommentieren bezahlen.
- Vergleichbare Angebote waren unter anderem Libreka, Google Buchsuche, SpringerLink und Mendeley.
Probleme des konventionellen Publizierens in digitalen Medien
- Viele Verlage reagierten aus meiner Sicht defensiv auf den digitalen Wandel und überließen die Initiative dadurch anderen Akteuren.
- Wissen und Information streben nach freier Verfügbarkeit, während ihre Erstellung und Aufbereitung weiterhin finanziert werden müssen.
- Weitgehend automatisierte Produktionsprozesse schwächen einige traditionelle Begründungen für die Rolle eines Verlags.
- Publizieren ist technisch einfach geworden, aber verlässliche, referenzierte und hochwertige Informationen bleiben schwer auffindbar.
- Die Open-Access-Bewegung versucht Probleme zu lösen, die sowohl Wissenschaftler bei der Veröffentlichung als auch Fachautoren bei der Vergütung betreffen.
Meine damalige Vision für das digitale Publizieren
- Wissen, Erkenntnisse und Informationen sollten leicht zugänglich und qualitativ aufbereitet sein.
- Digitale Werkzeuge könnten einen wirtschaftlich orientierten Peer-Review-Prozess organisieren, Fachleute nach Themengebiet auffindbar machen und ihre direkte Bezahlung oder Erlösbeteiligung ermöglichen.
- Fundraising könnte Werke vorfinanzieren und Investoren über kleine Beteiligungen am späteren Erlös beteiligen.
- Autoren könnten die Produktion selbst steuern und spezialisierte Dienstleister für Qualitätssicherung, Layout, Druck und digitale Aufbereitung beauftragen.
- Neue Erlösmodelle könnten alle Mitwirkenden eines Werkes angemessen beteiligen.
- Sowohl renommierte als auch junge Autoren könnten häufiger selbst publizieren und neue Wege zu Anerkennung und Verbreitung finden.
Fragen aus der Diskussion
- Wie kann das Internet eine verlässliche Qualitätssicherung unterstützen?
- Wie könnte der Übergang zu digitalen Medien für Autoren aussehen?
- Wie könnte derselbe Übergang für Verlage aussehen?
- Welche Anreize bringen mehr Menschen dazu, neue Ideen zum Publizieren öffentlich zu diskutieren?
- Das Informationsparadoxon von Arrow bleibt dabei relevant: Der Wert einer Information lässt sich oft erst beurteilen, nachdem die Information bereits bekannt ist.
Weiterführendes Material
Die folgenden Quellen bildeten meine damalige Materialsammlung zum Thema Neues Publizieren:
- Zum Bibliotheksumfeld gehörten http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg40312.html, http://www.digital-scholarship.org/sepb/sepb.html und http://oebib.wordpress.com/.
- Die Verlagsperspektive behandelte der Beitrag Gefangenendilemma der Print-Verlage unter http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=2189.
- Als Beispiel aus dem Zeitungsmarkt diente http://nytimes.com.
- Günter Faltins Beiträge waren unter http://www.kopfschlaegtkapital.com und http://labor.entrepreneurship.de verfügbar.
- Beispiele für Gründungen und Ausgründungen waren http://paperc.de, http://libreka.de und http://epubli.de.
- Weitere Perspektiven boten http://www.blicklog.com und http://blog.paperc.de.
- Eine Erklärung des Informationsparadoxons war unter http://www.tu-chemnitz.de/wirtschaft/fsr/wiki/index.php/Informationsparadoxon_nach_Arrow verfügbar.